Mittwoch 8. September 2010
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Inhalt:

Kultur

Zum Widerstand – unSICHTBARES im Jahr 2008


Widerstand passt nicht so recht zum Jahr 1938 und das damit verknüpfte Opferdenken. Während das offiziell-politische Gedenken an den „Anschluss“ vom12. März 1938 mehr oder weniger subtil daran schraubte, die Opferrolle Österreichs zu verfestigen, und die TäterInnen über groß angelegte „Erinnerungsprojekte“ hinter einem nebulösen Schleier zu verstecken, blieben jene, die mit dem Nationalsozialismus nicht einverstanden waren, größtenteils unsichtbar.


Die Unsichtbarkeit des Widerstands ist ein wesentliches Phänomen der österreichischen Erinnerungskultur in der Zweiten Republik: Wurden die Widerstandsleistenden unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs noch gebraucht, um als lebende Zeugnisse für den eigenen Beitrag Österreichs zur Befreiung vom National-sozialismus auszusagen und somit auf Basis der Moskauer Deklaration den Weg zum Staatsvertrag zu ebnen, war die Honorierung ihrer Leistungen kein Thema mehr, als die Großparteien 1949 um die wieder wahl-berechtigten Nationalsozialisten zu buhlen begannen. Die Folgen waren drastisch: Der Widerstand wurde auf Jahre hinaus unsichtbar (gemacht). Erst mit der Gründung des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstands im Jahr 1963 und durch das Engagement von Einzelpersonen begann ein langjähriger Prozess, den Widerstand aus dem Dunkel zu holen.

Die Schwierigkeiten, dem Widerstand zu gedenken


Die Leistungen jener, die aufstanden und auf vielfältige Art und Weise gegen den Nationalsozialismus auftraten, blieben auch in den offiziellen Ansprachen des Jahres 2008 hinter einem schallschluckenden Vorhang versteckt. Man warf den einen oder anderen Brocken in Richtung jener „im Widerstand“ Gewesenen, die großen Gesten blieben aber aus. Eine neue Ausstellung in Strobl am Wolfgangsee (Salzburg) widmet sich unter dem Titel unSICHTBAR – widerständiges im salzkammergut der Vorgeschichte des Widerstands im Salzkammergut, den Leistungen jener, die im Kampf gegen Austrofaschismus und Nationalsozialismus tätig waren, sowie vor allem deren Stellenwert in der Zweiten Republik. Die Ausstellung zielt darauf ab, Schlaglichter auf die regionalspezifische Geschichte des Widerstands und seiner Rezeption in der Zweiten Republik vor dem Hintergrund gesamtösterreichischer Entwicklungen zu werfen. Dabei wird deutlich, dass die Opferthese als österreichische Lebenslüge, die eigentlich dazu geeignet gewesen wäre, den Stellenwert des Widerstands zu honorieren und zu befördern, im Gegenteil sein Verschwinden aus dem kollektiven österreichischen Gedächtnis begründete.


Gerade die Verwendung regionaler Beispiele ermöglicht es den Besucher-Innen, historische Ereignisse ebensowie komplexe vergangenheits- und erinnerungspolitische Entwicklungen anschaulich und lebensnah wahrzunehmen. Begriffe wie „kollektives Gedächtnis“ oder Erinnerungskultur werden damit begreif- und spürbar. Ausgehend von den in dieser zeit-

geschichtlichen Ausstellung vermittelten Inhalten suchen 19 KünstlerInnen nach individuellen Annäherungen zur Frage des Widerstands und dessen Sichtbarmachung. Sie erkunden Frage-

stellungen zu Strategien der Aufmerksamkeit, des Blickwinkels, des zivilen Handelns, aber auch des Subversiven und des Erinnerns. Der Kunst kommt hier zugute, dass sie sich von anderen Richtungen als die Zeitgeschichte nähern kann, quasi subjektiv sein darf. Sie kann mit dieser Freiheit die Brücke schlagen: von der Vergangenheit in die Gegenwart, von der Gegenwart in die Zukunft...

Näheres zur Ausstellung unter www.strobl2008.at

Klaus Kienesberger

"Trotzdem" Juli 2008

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